Die an einer Felswand fest installierten Drahtseile sollen einen Sturz ins Bodenlose verhindern
Im steilen Moselhang vollzieht der Kletterweg alsbald einen scharfen Linksschwenk. Der schmale Bergpfad läuft an der Schienenführung der Monorackbahn entlang und ermöglicht dabei erregende Tiefblicke auf den Weinort Erden am gegenüberliegenden Moselufer. Zwei kurze Leiterpassagen sind zu überwinden. Dann führt die Route in einem ständigen Auf und Ab und felsengesäumt durch aufgelassene, inzwischen stark verbuschte ehemalige Weinberglagen. Hier tritt eine bunte Vielfalt von Fauna und Flora zu tage. Mauereidechsen huschen über die efeuumrankten Schieferfelsen hinweg und rechts und links des Weges zeigt sich gelb blühender Mauerpfeffer. Auch Goldlack hat in den engen Felsspalten einen geschützten Standort gefunden. Im weiteren Verlauf hat man auf einem kurzen Pfadabschnitt des Kletterweges an einer senkrecht aufragenden Felswand Drahtseilsicherungen angebracht, um einen Sturz in den linsseitig gähnenden Abgrund zu verhindern.
Vom Aussichtspunkt Leizenberg sind der Weinort Ürzig und die Hochmoselbrücke der B50 zu sehen
Kurze Zeit später gelangen die Wanderer zu einem weiteren hervorragenden Aussichtspunkt. Diesmal ist moselaufwärts tief unten im Flusstal der Winzerort Ürzig zu sehen und in der Ferne die gigantische Hochmoselbrücke der B50. An dieser Stelle trifft der Kletterweg auf den aus dem Moseltal aufsteigenden (W)Ürziger Bergpfad. Beide Routen führen jetzt in unzähligen Serpentinen in die Flanke des Leizenberges hinein. Bevor wir auf der Anhöhe von einer überdachten Ruhebank erneut ein traumhaftes Moselpanorama genießen können, gilt es noch eine metallene Treppe zu durchsteigen. Auf dem Leizenberg trennen sich die beiden Pfadrouten wieder. Während der (W)Ürziger Bergpfad, sich nach links wendend, über die Anhöhe verläuft, steigt der Kletterweg Erdener Treppchen weiterhin pfadig in den bewaldeten Hang. Wer möchte, kann noch einen kurzen, links abzweigenden Abstecher zur aussichtsreichen Burgberghütte unternehmen. Dann geht es anfangs mit erdigen Waldpfaden und später auf breiten asphaltierten Weinbergwegen talwärts zurück in den Start- und Zielort Lösnich. Hier endet ein kurzes aber tolles Klettererlebnis im Moseltal.
Fazit und abschließende Bemerkungen:
Der knapp fünf Kilometer lange Kletterweg Erdener Treppchen ist in der Tat ein erregendes, nahezu alpines Klettervergnügen an der Mittelmosel. Neben der pfadigen, manchmal recht ausgesetzten Route durch die Rebenhänge und aufgelassenen Weinberglagen, sind auch mehrere Leiterpassagen zu durchsteigen. Es geht an lotrecht abbrechenden Schieferfelsen entlang und über den Schienenstrang einer Monorackbahn hinweg. Dabei bieten sich fast ständig traumhafte Blicke ins Moseltal und auf die Weinorte Lösnich, Erden und Ürzig. Der Wanderer kann sich für eine grüne (leichte 2,9 km lange), gelbe (mittelschwere 3,8 km lange) oder die vorstehend beschriebene rote „schwere“ Route entscheiden. Weshalb man den Kletterweg im Zu- und Abgang seitens der Betreiber nicht mit Wegezeichen versehen hat, ist unverständlich und sehr bedauerlich. Trotz dieses Mangels ist der Route Premiumqualität im 5-Sterne-Segment zu bescheinigen. Rast- und Ruheplätze werden in genügender Zahl vorgehalten.
Tipp des Autors:
Wer konditionell gut gerüstet ist und wem die fünf Kilometer lange Route des Kletterweges Erdener Treppchen zu kurz erscheint, der kann den angrenzenden (W)Ürziger Bergpfad in die Wanderung mit einbeziehen. In Form einer stilisierten „8“ ist es möglich, die beiden Touren miteinander zu verbinden. Allerdings muss man dann den Steilaufstieg zum Leizenberg zweimal bewältigen. Die Gesamtlänge der Klettertour beträgt dann zwölf Kilometer. Profirouten wird in Kürze einen entsprechenden Wegeverlauf unter der Bezeichnung „(W)Ürziger Bergpfad und Kletterweg Erdener Treppchen“ ins Netz stellen.
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