Wilde, pfadige und aussichtsreiche Runde im Welterbe Mittelrheintal
Die mit Zu- und Abwegen knapp vierzehn Kilometer lange Traumschleife Marienberg bei Boppard verfügt über einen enorm hohen Pfadanteil und führt den Wanderer zu traumhaften Rheintalpanoramen im Welterbe Mittelrheintal. Zwei wildromantische, tief eingeschluchtete und vollkommen abgeschiedene Bachtäler werden entlang des Bruder-Michels-Baches und des Mittelbaches durchschritten. Entlang der Traumschleife beschreiben kleine Hinweistafeln an historischen und kulturell bedeutsamen Plätzen Geschehnisse aus den zurück liegenden Jahrhunderten. Aussichtsreiche Felsennester werden angelaufen, die Fernsichten über die bewaldeten Hunsrückhöhen und Tiefblicke ins Rheintal ermöglichen.
Ständig bergan wandernd führt die Traumschleife in das canonartige Bruder-Michel-Bachtal hinein
Wir beginnen die Wanderung am Marienberger Parkdeck. Hier steht gebührenpflichtiger Parkraum in ausreichendem Maße zur Verfügung. Ein asphaltierter Pfad führt an einem Schulgelände vorbei, um wenig später in den Marienberger Park einzumünden. Hier treffen wir auf den eigentlichen Startpunkt der Traumschleife. Entlang des Bruder-Michel-Baches durchwandern wir das weitläufige Parkgelände, überqueren kurz darauf das Gewässer und unterschreiten die Kreisstraße 118 mit einem Fußgängertunnel. Hinter der Unterführung steigt ein schmaler Pfad in den Hang, der die L210 quert und dann in das Tal des Bruder-Michel-Baches hinein fällt. Abgesägte Baumstümpfe werden als Furt genutzt um das Gewässer zu überschreiten und dann linksschwenkend in das Bruder-Michel-Bachtal hinein zu wandern. Ständig sanft ansteigend führt ein schmaler Waldpfad jetzt am Gewässer entlang. Rechter Hand ragen im canonartigen Kerbtal uralte, stark bemooste Schiefermauern auf, die man dereinst errichtet hat, um Weinbau zu betreiben. Links des schmalen Pfades bricht das Gelände steil zum Bachlauf ab, der leise plätschernd dem Rhein zustrebt.
In Jahrtausenden hat sich der Bruder-Michel-Bach in den harten Hunsrückschiefer hinein gesägt
Zum Talschluss hin verengt sich der Canon immer mehr. In Jahrtausenden hat sich der Bruder-Michel-Bach in den harten Hunsrückschiefer hinein geschnitten, diese einzigartige Schlucht geschaffen und im Uferbereich lotrecht aufragende Felswände zurück gelassen. Schließlich lockt ein rechts abzweigender kurzer Stichweg zur Schutzhütte „Klause“ um eine erste Wanderpause einzulegen. Die dort anzutreffende Infotafel weiß zu berichten, dass sich im Mittelalter an dieser Stelle eine Eremitenklause befand, in der ein gottesfürchtiger Einsiedler mit Namen Bruder Michel lebte, der kranken Mitmenschen mit Kräuterelixieren zu helfen wusste. Das Tal und den Bach hat man deshalb nach ihm benannt. Wieder zurück auf der Hauptroute wird kurz darauf der Bruder-Michel-Bach mit einem hölzernen Steg überschritten. Nach dieser 180° Wende steigt die Traumschleife in den steilen Hang hinein.
Die Traumschleife Marienberg führt im Mittelbachtal am munter plätschernden Gewässer entlang
Auf der Anhöhe schweift dann der Blick durch das frühsommerliche Geäst bis ins weit entfernte Rheintal, in dem sich der kalkweiße Turm der Kurfürstlichen Burg zu Boppard zeigt. Noch ein kurzes Stück läuft die Traumschleife auf erdigen Waldpfaden durch den lichten Buchenforst und bietet dabei einen schönen Weitblick über die Hunsrückberge. Schließlich führt uns die Route, aus dem Wald heraustretend, in Wiesengelände hinein. Naturbelassene Wege laufen aussichtsreich über die Freifläche und queren kurz darauf die L210 zum zweiten Mal. Auf einem Wiesenweg geht es ein kurzes Stück an der Asphaltpiste entlang, um dann nach links schwenkend mit einem schmalen Pfad ins Mittelbachtal hinab zu wandern. Nachdem der Mittelbach im Talgrund überschritten ist, geht es ausgesprochen idyllisch am munter plätschernden Gewässer entlang, dass immer wieder mit seinen kleinen wild schäumenden Wassersprüngen Aufmerksamkeit erregt.
Die historische Brunnenstube von 1869 ist ein weiteres Highlight in der Traumschleife Marienberg
Aus dem Mittelbachtal aufsteigend gelangen die Wanderer an den nördlichen Rand des Bopparder Ortsteils Buchenau. Entlang der Bebauung geht es pfadig zum Aussichtspunkt „Pützblick“ hinauf, der herrliche Weitblicke möglich macht. Über die dicht bewaldeten Rheinberge schweift hier der Blick bis ins Rheintal, in dem sich ein kleiner Teil der Stadt Boppard zeigt. Dahinter im Rheinbogen ragen die steilen Weinlagen der Bopparder Hamm auf. Im weiteren Verlauf führt die Traumschleife oberhalb von Buchenau in stetigem Wechsel mal auf breiten Forstwegen, dann wieder auf erdigen Pfaden recht kurzweilig durch den sattgrünen Forst. Dabei wird die Brunnenstube aus dem Jahre 1869 angelaufen. Hierbei handelt es sich um eine Trinkwasserquelle die der Stadtförster Friedrich Wilhelm Delaforgue in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts anlegen ließ, um das nahe gelegene Forsthaus mit Wasser zu versorgen. Zur Sicherung des Brunnens ließ er aus Bruchsteinen das heute noch sichtbare bogenförmige „Schutzdach“ errichten.
Im steilen Rheinhang sind die Feindlichen Brüder zu sehen, die Burgen Sterrenberg und Liebenstein
Kurze Zeit später verlässt die Traumschleife den Wald und tritt erneut in Wiesengelände hinaus. Nach einem scharfen Linksknick geht es mit einem fein geschotterten Weg im Naturschutzgebiet „Hintere Dick“ sanft bergab. Rechts der Route ragen abgestorbene Obstbäume in den Himmel. Vorbei an ihrem dürren Geäst schweift der Blick hinauf zum Aussichtsturm Fünfseenblick, der am Horizont auf der Hochlei über den Baumwipfeln aufragend zu sehen ist. Die Wanderer überschreiten wenig später die Asphaltpiste der K118, um sodann auf der Anhöhe Eisenbolz einem breiten Fahrweg über das Plateau der Rheinberge zu folgen. Ein kurzer Abstecher führt uns zum Aussichtspunkt Kaufmann’s Ruh. Tief unten im Rheintal zeigt sich am gegenüber liegenden Ufer der Wallfahrtsort Kamp-Bornhofen. Darüber im steilen Berghang sind die Feindlichen Brüder zu sehen, die Burgen Sterrenberg und Liebenstein.
Eine ganze Reihe von grandiosen Rheintalblicken sorgt für Kurzweil in der Traumschleife Marienberg
Schließlich verlässt die Taumschleife den breiten, etwas eintönigen Fahrweg und führt recht wild und pfadig in einem ständigen Auf und Ab durch aufgegebene Weinbergslagen an der Hangkante entlang. Im nun folgenden Teilabschnitt werden weitere Aussichtspunkte mit der Bezeichnung Burgenblick, Steinerner Mann und Baedeker’s Ruh angelaufen, die jeder für sich grandiose Rheintalpanoramen zu bieten haben. Daneben lädt der kurz darauf anzutreffende „Thonet-Tempel“ zu einer aussichtsreichen Wanderrast ein. Die Schutzhütte wurde von den Söhnen des weltbekannten Bopparder Möbeldesigners Michael Thonet im Jahre 1879 errichtet. Vom Thonet-Tempel geht es mit einem holprigen Waldpfad und der Routenführung des Welterbesteigs ein kurzes Stück steil bergab. Dann verlässt die Traumschleife links abzweigend den Fernwanderweg und führt in halber Hanglage durch Niedergehölze.
In einer zerfallenen Hütte am Wegrand fand der Bankräuber Dieter Freese im Jahre 1962 Unterschlupf
Der nun folgende letzte Teilabschnitt durch den Eisenbolzwald begeistert mit seiner wilden, pfadigen Routenführung. Es geht bergauf und bergab, umgestürzte Bäume werden überstiegen, aufgebrochene Wurzelteller werden umgangen und uralte ehemalige Weinbergstreppen sind zu durchsteigen. Zunderpilze gedeihen an abgestorbenem Totholz und wilde Orchideen, wie das Kuckucks-Knabenkraut tauchen am Wegrand auf. Deutsche Kriminalgeschichte lebt anhand einer Hinweistafel auf, die neben einer zerfallenen Hütte anzutreffen ist. Nach einem Banküberfall im Jahre 1962 auf die Filiale der Kreissparkasse Winningen suchte der Bankräuber Dieter Freese mit seiner Bande in der Hütte Unterschlupf. Nach einem letzten schönen Ausblick ins Rheintal, auf Boppard und den Rheinbogen, geht es in engen, windungsreichen Serpentinen steil bergab und schlussendlich wieder in den Bopparder Marienberg-Park hinein. Hier endet eine herrliche Rundwanderung im Welterbe Mittelrheintal.
Fazit und abschließende Bemerkungen:
Die mit Zu- und Abwegen knapp 14 Wanderkilometer messende Traumschleife Marienberg ist ohne Zweifel im Premiumsegment von Profirouten einzuordnen. Allein die enorm hohe pfadige und ausgesprochen kurzweilige Streckenführung rechtfertigt die herausragende Fünf-Sterne-Bewertung in den Kategorien Landschaft und Erlebnis. Absolute Highlights der Tour sind die Durchwanderung des canonartigen Bruder-Michel-Bachtales und des Mittelbachtales mit seinen kleinen Wassersprüngen. In der zweiten Hälfte der Traumschleife punkten die grandiosen Tiefblicke ins Rheintal, auf den Wallfahrtsort Kamp-Bornhofen und die Feindlichen Brüder in besonderem Maße. Aufgrund des in hohem Maße pfadigen Verlaufes der Traumschleife gestaltet sich die ständige ehrenamtliche Pflege der Wanderroute wohl sehr aufwendig. Kleinere Mängel sollten daher vor allen Dingen im Frühjahr billigend in Kauf genommen werden. Die Beschilderung ist nahezu unverlaufbar und gut sichtbar angebracht. Unzählige Ruhebänke und drei Schutzhütten entlang der Wegstrecke laden zur Wanderrast ein.
Anmerkung des Autors:
Die Routenführung der Traumschleife Marienberg wurde kürzlich aus Sicherheitsgründen dauerhaft verlegt. Das Bad Salziger Friedenskreuz hoch über dem Rheintal wird nur noch mit einem Abstecher/Stichweg angelaufen. Der sich ursprünglich daran anschließende Pfad entlang der Hangkante musste wegen Windbrüchen, mehreren Hangrutschen und Geröllabgängen leider aufgegeben werden.






















