Vom Gollenstein durch das Pferchbachtal zur Burg Kirkel
Die knapp zehn Kilometer lange 4. Etappe des Bliessteigs von Blieskastel nach Kirkel verfügt über einen enorm hohen Pfadanteil und ist einer der schönsten und interessantesten Teilabschnitte des 106 Kilometer messenden Weitwanderwegs. Zahlreiche Highlights entlang der Route sorgen für ständige Kurzweil. Gleich zu Beginn sollte man sich die Zeit nehmen um die Altstadt von Blieskastel näher in Augenschein zu nehmen. Es folgen auf der Anhöhe ein Wallfahrtskloster mit einem gepflegten Klostergarten und der Menhir Gollenstein. Im weiteren Verlauf wird auf erdigen Waldpfaden durch das idyllische Kirkeler Bachtal gewandert. Die fulminanten Schlusspunkte setzen schließlich eine Reihe von bizarren Buntsandsteinformationen im Kirkeler Wald und die schön renovierten mittelalterlichen Gemäuer der Burg Kirkel mit dem besteigbaren Bergfried. Das Streckenprofil umfasst neben pfadigen Verläufen, breite naturbelassene Waldwege. Asphaltiertes Geläuf wird bis auf wenige Ausnahmen nur in den Ortslagen beschritten.
Im Startort Blieskastel wird auf dem historischen Marktplatz der Schlangenbrunnen bewundert
Wir beginnen die 4. Etappe des Bliessteigs auf dem Paradeplatz mit dem sehenswerten alten Rathaus der Barockstadt Blieskastel. Hier wird kostenpflichtiger Parkraum angetroffen. Durch die engen, innerstädtischen Gassen gelangen die Wanderer, vorbei am Herkulesbrunnen, zum Schlangenbrunnen auf den historischen Marktplatz, der unter französischer Herrschaft im Jahre 1804 in Form eines Obelisken errichtet wurde. Eine in Stein gehauene Schlange, aus deren Kopf das Brunnenwasser hervor springt, umrankt das imposante Brunnenbauwerk. Mit der Bliesgaustraße verlassen wir den Markplatz und steigen über 203 steinerne Treppenstufen, vorbei an Felsformationen aus Buntsandstein zum Blieskasteler Minoritenkloster hinauf. Für den anstrengenden Treppenaufstieg werden wir auf der Anhöhe mit einem schönen Ausblick auf Blieskastel belohnt.
Die Heilig-Kreuz-Kapelle hoch über Blieskastel ist eine bedeutende Wallfahrtsstätte
Das Kloster Blieskastel „Auf dem Han“, eine ehemalige Abtei der Franziskaner-Minoriten ist immer noch eine bedeutende Wallfahrtsstätte im Bistum Speyer. Die im Jahre 1682 errichtete Heilig-Kreuz-Kapelle ist Bestandteil der klösterlichen Anlage. In ihr ist die Pieta „Unsere liebe Frau mit den Pfeilen“ anzutreffen, die der Anlass für die Pilgerfahrten zum Kloster Blieskastel ist. Der sich an die sakralen Anlagen anschließende Klostergarten, mit den schön gestalteten Figuren des Bildhauers Karl Riemann, die besondere Ereignisse im Leben des Franz von Assisi darstellen und der benachbarte jüdische Friedhof sind überaus sehenswert. Breite befestigte Wege und schmale Pfade laufen sodann in stetigem Wechsel über Freiflächen und durch kleine Waldparzellen. Die Route des Bliessteigs führt an der bewirtschaften Gollensteinhütte vorbei, die von mittwochs bis sonntags geöffnet ist.
Der Gollenstein, das Wahrzeichen der Barockstadt Blieskastel, ist der größte Menhir Mitteleuropas
Wenig später tritt der Fernwanderweg aus dem Wald heraus und führt ein kurzes Stück auf asphaltiertem Grund über eine weitläufige Hochfläche zum Gollenstein hinüber. Der knapp sieben Meter hohe Menhir ist das Wahrzeichen von Blieskastel. Er wurde vor etwa 5000 Jahren zum Ende der Jungsteinzeit errichtet und geht wohl auf einen prähistorischen Ahnenkult zurück. Der Monolith aus Buntsandstein gilt als der größte Menhir Mitteleuropas. Die zu seinen Füßen eingerichtete Sitzgruppe nutzen wir für eine kurze Wanderpause. Anschließend folgen die Wanderer der Beschilderung des Weitwanderweges talwärts nach Lautzkirchen. Die Ortschaft wird durchmessen, um ausgangs der Bebauung über das Totenköpfchen in das Pferchtal hinein zu wandern. Im Naturschutzgebiet Kirkeler Bachtal treffen wir auf die ersten bizarren Buntsandsteinformationen, die bisweilen rechts der Route aufragen.
Im Kirkeler Wald geht es mit wurzeligen Steigen an bizarren Buntsandsteinfelsen entlang
Wenig später wird der Kirkeler Bach überschritten. Scharf links schwenkend steigt die Route mit erdigen Waldpfaden in den steilen Hang. Jetzt beginnt der bemerkenswerteste Teilabschnitt der 4. Etappe. Der Bliessteig zeigt endlich Steigcharakter. Überaus imposant führen die von jedem Wanderer so sehr geschätzten schmalen Pfade und wurzeligen Steige durch den Kirkeler Wald. Dabei zeigt sich die Natur ausgesprochen wild. Umgestürzte Baumriesen mit ihren gigantischen Wurzeltellern und modrigen Stämmen, an den sich bereits Zunderpilze gebildet haben, liegen rechts und links des Weitwanderweges. Abgestorbenes Totholz säumt den Weg und mannshohe Farnstauden werden durchschritten. Kurz vor dem Zielort Kirkel ragen im rechten Steilhang bizarre Felsformationen aus Buntsandstein auf, die jede für sich hervorragende Fotomotive hergeben.
Von der Wehrplatte des Bergfrieds der Kirkeler Burg schweift der Blick weit in die Saarpfalz
Durch das sommerliche Geäst hindurch blickend zeigen sich schließlich die mittelalterlichen Gemäuer von Burg Kirkel auf dem Burgberg des gleichnamigen Ortes, den wir kurz darauf durch den Frauenbrunnerweg betreten. Im Zielort der 4. Etappe steigen wir zur Burg Kirkel hinauf, die im Jahre 1075 vom Bliesgraf Gottfried von Kirkel errichtet wurde. Über die Jahrhunderte wechselte die Burg mehrmals ihren Besitzer über die Herren von Saarwenden bis hin zu den Herzögen von Zweibrücken. Der 30jährige Krieg setzte dem höfischen Leben ein jähes Ende. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Burg Kirkel im Jahre 1689 endgültig zerstört und schließlich aufgegeben. Heute zeigt sich das mittelalterliche Gemäuer in einem ruinösen aber vorzüglich renovierten Zustand. Von der Wehrplatte des 32 Meter hohen Bergfrieds kann man herrliche Ausblicke auf Kirkel und weit in die Saarpfalz genießen. Zudem hat man im unmittelbaren Umfeld der Burg Hütten und Unterstände errichtet, die den Einwohnern von Kirkel ein erregendes Burgfest ermöglichen. An der Burg Kirkel endet die erregende und überaus abwechslungsreiche 4. Etappe des Bliessteigs.
Fazit und abschließende Bemerkungen:
Die zehn Kilometer lange 4. Etappe des Bliessteigs von Blieskastel nach Kirkel setzt herausragende Akzente und trägt entschieden dazu bei, dass dem Weitwanderweg das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ verliehen wurde. Allein die Routenführung und die am Wegrand anzutreffenden Highlights versetzen jeden passionierten Wanderer in Entzücken. In übergroßen Teilabschnitten bestimmen schmale Pfade und wurzelige Steige das Streckenprofil. Im vierten Teilabschnitt erlangt der Bliessteig erstmals Steigcharakter und rechtfertigt in den Kategorien Landschaft und Erlebnis die Einordnung im 5-Sterne-Premiumsegment von Profirouten. Neben dem herausragenden Streckenverlauf sorgen das Blieskasteler Minonitenkloster, der Menhir Gollenstein und Burg Kirkel für die kulturhistorischen Höhepunkte. Rast- und Ruheplätze sind nicht gerade häufig anzutreffen. Die Beschilderung ist gut sichtbar und nahezu unverlaufbar angebracht.
Tipp des Autors:
Wem die zehn Kilometer lange 4. Etappe von der Distanz her zu wenig erscheint, kann, so wie wir es getan haben, die 5. Etappe gleich dranhängen. Von der Burg Kirkel bis zum Zieleinlauf in Schwarzenacker sind dann allerdings satte 24 Wanderkilometer zu bewältigen.

















